Another great review of Blueberry Pie by Bernd Kreikmann of Munich Talk

Another great review of Blueberry Pie by Bernd Kreikmann of Munich Talk - an update from Simon Campbell

Another great review , this time from Bernd Kreikmann of Munich Talk !!


Bevor wir uns mit dem neuen Album der Starlite Campbell Blueberry Pie befassen ist es wohl sinnvoll, über den britischen Blues der letzten 50 Jahre nachzudenken damit wir die CD besser verstehen.

Als die Rolling Stones, die Yarbirds, Eric Burdon & the Animals, Chris Farlowe u.a. in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts musikalische Grenzen überwanden, war es vor allem Alexis Korner der vielen Musikern und Bands den Weg ebnete.

Sie alle warfen Traditionen über den Haufen und kreierten das, was als Beatmusik bekannt wurde. Daß sie damit die Sehnsüchte der Teens erfüllten, wissen zumindest die älteren unter uns zu beurteilen.

Die Musiker und Bands entwickelten sich zum englischen Exportschlager und feierten große Triumphe in den USA – einige von ihnen in fortgeschrittenem Alter noch bis heute. Die programmatische Textzeile der Who I hope I die before I get old gilt inzwischen nicht mehr.

Musiker wie die Stones oder Eric Burdon machten sich auf, die Heroen ihrer frühen Tage zu suchen und zu finden. Es gibt interessante Geschichten oder Mythen über das Zusammentreffen zwischen Mick Jagger und Muddy Waters. Wie auch immer, der Blues wurde von diesen jungen Musikern in seinem Heimatland wiederentdeckt und stärker in die eigene Musik eingebunden.

Auch wenn es den Puristen nicht gefallen mag, Musik und damit auch Bluesmusik ist eine Ware die sich am Markt behaupten muß – das schafft nicht jeder Anbieter. Aus Teenidolen werden gestandene Musiker, eine gute Handvoll Engländer gehören noch immer zum Rockzirkus.

Das Ergebnis der von den Amerikanern als British Invasion bezeichneten Entwicklung gipfelte darin, daß sie sich ihrer alten musikalischen Tradition bewußt wurden und der Blues sowie später seine Kinder Soul, Hip Hop und andere Ableger die Führung in den Charts übernahmen. Der Blues emanzipierte sich vom Bild des alten schwarzen Mannes der am Fluß sitzt und seinen Schmerz heraussingt und wurde zu einer urbanen oft tanzfähigen Musik die auch von weißen Musikern gespielt wurde – der Blues wurde wieder die musikalische Leitkultur in den USA und schwappte nun seinerseits nach Europa zurück.

Ich denke, daß die englische Musik diese Veränderung nie verarbeitet hat. Ohne beleidigend sein zu wollen, die englische Populärmusik ist mit einigen Ausnahmen (u.a. Bowie) in den letzten Jahrzehnten nichtssagend, eintönig und irgendwie langweilig geworden. Entweder haben wir es wesentlich mit unzerstörbaren Pubrockern wie Dr. Feelgood oder in Perfektion erstarrten Bluesern wie der großartigen Blues Band zu tun. Letztlich also mit Männern, die ihre Musik seit Jahrzehnten unverändert spielen.

In dieser Phase der Stasis taucht nun eine Band wie die Starlite Campbell Band auf die sich bemüht den Kreis aus Einheitsbrei zu durchbrechen. Die Band besteht wesentlich aus Suzy Starlite (Bass, Vocal) und Simon Campbell (Guitars, Percussion, Vocal), die sich für Blueberry Pie Danny Boy Sanchez (Harmonica), Steve Gibson (Drums, Percussion) und Jonny Henderson Hammond, Wurlitzer) hinzugeholt haben.

Zusammen spielen Sie eine Musik die sich deutlicher Anleihen bei den Riffs und Licks der 60er bedient, andererseits aber auch bluesbasiert ist. Heraus kommt eine gefällige angenehme Musik für alle Fälle des Alltags. Meist sanfte und ruhige wohltemperierte Melodiebögen die zu Suzies und Simons Stimmen perfekt passen.

Letztlich ist es eine Musik die perfekt als Hintergrundmusik genutzt werden kann. Ich denke an stylishe coole Boutiquen, Galerien, Hotels; in einem Blues- oder Rockclub kann ich mir die Musik schwer vorstellen.

Es gelingt den beiden Musikern die Brücke zwischen der englischen Musik der 60er und der Neuzeit zu schlagen und darauf aufbauend weiterzuentwickeln – auf eine von mir nicht erwartete Art.